Wenn du Google Analytics selbst gehostet ersetzen willst und dieselbe Tiefe brauchst (Ziele, E-Commerce, Segmente, Import deiner alten GA-Daten), nimm Matomo. Reichen dir saubere Zahlen zu Besuchern, Seiten und Verweisen ohne Cookie-Banner, sind Umami oder die Plausible Community Edition einfacher und leichter. GoatCounter ist das kleinste Tool und läuft als einzelne Datei mit SQLite.
Alle behalten die Daten auf deinem Server, statt sie an Google zu schicken. Ob du trotzdem eine Einwilligung brauchst, hängt von der Konfiguration und vom Land ab. Auch darum geht es in diesem Artikel.
Warum Leute Google Analytics verlassen
Die üblichen Gründe: GA4 ist für kleine Websites schwer zu lesen, die Daten gehen an Google, und in der EU braucht es meist ein Consent-Banner, das viele Besucher ablehnen. Du siehst also ohnehin nur einen Teil deines Traffics.
Ein selbst gehostetes Tool löst die Frage, wo die Daten liegen. Mehrere verzichten außerdem auf Cookies und speichern keine personenbezogenen Daten, wodurch das Banner wegfallen kann. "Kann" ist das wichtige Wort, siehe den Abschnitt zu Cookies und DSGVO weiter unten.
Matomo
Matomo kommt einem vollständigen Google-Analytics-Ersatz am nächsten. Es hat rund 22.000 GitHub-Sterne (Oktober 2026), steht unter der GPL-3.0 und ist in PHP mit einer MySQL- oder MariaDB-Datenbank geschrieben.
Es bietet Ziele, E-Commerce-Berichte, Segmente, einen Tag Manager und einen Import für deine historischen Google-Analytics-Daten. Heatmaps und Session-Aufzeichnungen gibt es als kostenpflichtige Premium-Plugins. Matomo arbeitet ohne Sampling, und auf deinem eigenen Server bestimmst du selbst, wie lange du Daten aufbewahrst.
Standardmäßig setzt Matomo First-Party-Cookies, die du abschalten kannst. Matomos eigener Leitfaden beschreibt ein enges Setup, das in manchen Ländern ohne Einwilligung laufen kann: keine Cookies, IP-Adressen um mindestens 2 Bytes gekürzt, keine User-IDs, Daten nur für Analyse auf einer einzelnen Website. Bei Deutschland ist Matomo vorsichtig: Nur serverseitige Methoden seien klar außerhalb des TDDDG, und JavaScript-Tracking solle man als einwilligungspflichtig behandeln, bis die Aufsichtsbehörden etwas anderes sagen.
Voraussetzungen: Matomo 6 braucht PHP 8.1 oder neuer und MySQL 8.0 oder MariaDB 10.6 oder neuer. Eine kleine Website läuft auf einem bescheidenen Server problemlos. Bei viel Traffic wird die Datenbank zum schweren Teil.
Für wen: Marketing-Teams, Onlineshops und alle, die GA intensiv genutzt haben und dieselben Berichte wollen.
Plausible Community Edition
Plausible hat rund 29.000 GitHub-Sterne (Oktober 2026). Die Anwendung steht unter der AGPL-3.0, das Docker-Setup der Community Edition unter MIT.
Das Dashboard von Plausible passt auf eine Seite: Besucher, Seiten, Quellen, Länder, Geräte, Ziele. Es setzt keine Cookies und erzeugt keine dauerhaften Besucher-IDs. Für eindeutige Besucher bildet es einen Hash aus einem täglichen Salt, der Domain, der IP-Adresse und dem User-Agent, und der Salt wird alle 24 Stunden gelöscht. Plausible schreibt, dass du damit "do not need cookie banners for analytics".
Die Community Edition ist die selbst gehostete Variante und nicht identisch mit der bezahlten Cloud. Marketing-Funnels, User Journeys, E-Commerce-Umsatzziele, SSO und die Sites-API gibt es nur in der Cloud. CE bekommt zweimal im Jahr ein Langzeit-Release, die Cloud mehrmals pro Woche Updates, und Support für CE kommt nur aus der Community.
Voraussetzungen: Docker Compose, mindestens 2 GB RAM und eine CPU mit SSE 4.2 oder NEON, weil Plausible die Ereignisse in ClickHouse speichert.
Für wen: Website-Betreiber, die ein klares, einfaches Dashboard wollen und mit weniger Funktionen als in der Bezahlversion leben können.
Umami
Umami hat rund 39.000 GitHub-Sterne (Oktober 2026), eine MIT-Lizenz, und v3.4.0 erschien am 17. September 2026. Es arbeitet laut Projekt "without cookies, cross-site tracking, or the automatic collection of personal data".
Umami kann inzwischen deutlich mehr als Seitenaufrufe zählen. Neben Pageviews, Verweisen und UTM-Kampagnen gibt es eigene Events, Funnels, Ziele, Journeys, Retention, Segmente und Kohorten. Neuere Versionen nennen auch Session-Replays und Heatmaps. Dashboards lassen sich per Link teilen, es gibt Teams und eine API.
Voraussetzungen: Node.js 18.18 oder neuer und PostgreSQL 12.14 oder neuer. Eine Docker-Compose-Datei startet beides. Ohne ClickHouse ist Umami leichter als Plausible und damit eine gute Wahl für einen kleinen VPS.
Für wen: Entwickler und kleine Firmen, die ein datenschutzfreundliches Tool wollen, das bei Events und Funnels mitwachsen kann.
GoatCounter
GoatCounter ist die minimalistische Option, mit rund 6.000 GitHub-Sternen (Oktober 2026) und der Lizenz EUPL-1.2. Es läuft als einzelne Programmdatei, standardmäßig mit SQLite, für größere Websites wird PostgreSQL empfohlen. Das Tracking-Skript macht deine Seite um etwa 3,5 KB schwerer.
Es zählt Besuche statt einzelner Seitenaufrufe. Um einen Besucher wiederzuerkennen, bildet es aus Site-ID, User-Agent und IP-Adresse einen Sitzungsschlüssel, ordnet ihm eine zufällige ID zu, die 8 Stunden im Arbeitsspeicher bleibt, und schreibt IP-Adressen und User-Agents nie auf die Platte. Das Projekt meint, GoatCounter brauche "probably" keinen DSGVO-Einwilligungshinweis. Außerdem kann es Logdateien von nginx, Apache, Caddy und anderen Servern auswerten, du kannst also auch ganz ohne JavaScript zählen.
Für wen: private Websites, Blogs und Dokumentation, bei denen ein paar klare Zahlen reichen.
Rybbit
Rybbit ist ein neueres Projekt mit rund 13.000 GitHub-Sternen (Oktober 2026) und AGPL-3.0-Lizenz. Es kommt ohne Cookies aus und hat Session-Replays und Funnels. Wie Plausible nutzt es ClickHouse. Manche Funktionen, etwa Web Vitals, gibt es nur in der bezahlten Cloud. Einen Blick wert, wenn du etwas zwischen Umami und Matomo suchst, allerdings ist das Projekt noch nicht lange dabei.
GoAccess: Statistik aus Server-Logs
GoAccess geht einen anderen Weg. Es liest die Logdateien deines Webservers und zeigt Berichte im Terminal oder als HTML-Seite. Es gibt überhaupt kein Tracking-Skript, im Browser deiner Besucher läuft also nichts. GoAccess hat rund 21.000 GitHub-Sterne (Oktober 2026) und eine GPL-2.0-Lizenz. Bots tauchen in den Logs allerdings auch auf, die Zahlen sind also gröber als bei einem JavaScript-Tool.
Vergleichstabelle
| Matomo | Plausible CE | Umami | GoatCounter | Rybbit | |
|---|---|---|---|---|---|
| Cookies | Standardmäßig ja, abschaltbar | Keine | Keine | Keine | Keine |
| Umfang | Voll, wie GA | Einfaches Dashboard | Einfach bis mittel, Events und Funnels | Minimal | Mittel, Session-Replay |
| Technik | PHP + MySQL/MariaDB | Elixir + ClickHouse | Node.js + PostgreSQL | Go-Programm + SQLite oder PostgreSQL | Basiert auf ClickHouse |
| Dokumentierte Anforderungen | PHP 8.1+, MySQL 8.0+ | 2 GB RAM, CPU mit SSE 4.2 | Node 18.18+, PostgreSQL 12.14+ | Sehr gering | Siehe Doku |
| Lizenz | GPL-3.0 | AGPL-3.0 | MIT | EUPL-1.2 | AGPL-3.0 |
Cookies, Einwilligung und DSGVO
Selbsthosten löst ein DSGVO-Problem: Es gehen keine Daten an ein US-Unternehmen. Das heißt aber nicht automatisch, dass das Consent-Banner wegfallen darf.
In der EU spielen zwei Regelwerke eine Rolle. Die DSGVO betrifft personenbezogene Daten wie IP-Adressen. Die ePrivacy-Regeln, in Deutschland das TDDDG, betreffen das Speichern und Auslesen von Informationen auf dem Gerät des Besuchers, also Cookies und auch manche andere Techniken. Ein Tool ohne Cookies, das keine personenbezogenen Daten speichert, hat in vielen Ländern gute Argumente für den Betrieb ohne Einwilligung. Matomos eigene Doku bleibt bei Deutschland trotzdem vorsichtig und weist darauf hin: Wer eingeloggte Nutzer trackt oder personenbezogene Daten in URLs, Seitentiteln oder Events hat, braucht ohnehin eine Einwilligung.
Also: Nimm ein Tool ohne Cookies oder konfiguriere Matomo ohne Cookies, kürze IP-Adressen, erwähne das Tool in deiner Datenschutzerklärung, biete ein Opt-out an und frag bei ungewöhnlichen Fällen einen Anwalt. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
So betreibst du sie
Der Standardweg ist dein eigener Server mit Docker. Umami und GoatCounter passen auf einen kleinen VPS, Plausible braucht für ClickHouse mehr Speicher, und Matomo will eine ordentliche MySQL- oder MariaDB-Datenbank. Die Grundlagen erklärt Selbsthosten für Einsteiger.
Der andere Weg ist ein Managed Hoster. Auf blitz.cloud installierst du Umami mit einem Klick aus dem App Store, gehostet in der EU, HTTPS inklusive. Es gibt einen kostenlosen Tarif ohne Kreditkarte, in dem Apps nach 30 Minuten ohne Besucher schlafen. Für ein Analytics-Tool ist das eine echte Einschränkung: Der erste Tracking-Aufruf nach einer ruhigen Phase muss die App erst wecken, das passt eher zu einem Testaufbau als zu einer gut besuchten Website. Die anderen Tools gibt es dort nicht, die hostest du selbst.
Weitere Tools findest du unter Google-Analytics-Alternativen.
FAQ
Was ist die beste kostenlose Alternative zu Google Analytics?
Matomo, wenn du den vollen Funktionsumfang und den GA-Import brauchst. Umami oder Plausible Community Edition, wenn du ein einfaches Dashboard ohne Cookies willst. GoatCounter für eine private Website.
Brauche ich trotzdem ein Cookie-Banner?
Mit einem Tool ohne Cookies, das keine personenbezogenen Daten speichert, kommen viele Websites ohne aus. In Deutschland ist die Lage strenger, und Matomo selbst rät, JavaScript-Tracking als einwilligungspflichtig zu behandeln. Im Zweifel frag einen Anwalt.
Kann ich meine Google-Analytics-Daten importieren?
Matomo hat einen Import für historische Google-Analytics-Daten. Bei den anderen Tools schau in die aktuelle Doku, bevor du dich auf einen Import verlässt.
Welches Tool braucht am wenigsten Ressourcen?
GoatCounter, eine einzelne Programmdatei mit SQLite. Danach kommt Umami mit Node.js und PostgreSQL. Plausible und Rybbit nutzen ClickHouse und wollen mehr Speicher.
Ist Plausible selbst gehostet dasselbe wie Plausible Cloud?
Nein. Der Community Edition fehlen Funnels, User Journeys, E-Commerce-Umsatzziele, SSO und die Sites-API, sie bekommt zweimal im Jahr ein Release und nur Community-Support.